Marken & Brands: Warum traust du ihnen und zahlst viel Geld dafür ?

  • Im Titel steht schon alles.

    Für sehr interessant halte ich auch die Frage wann ein Herstellername oder der eines Kunsthandwerkers zum Brand wird
    und
    damit zusammen hängt die Frage wie viele und welche Hersteller du überhaupt kennst, denn im Internet findet man nur sehr wenige bekannte Brands, und die werden gehypt bis zum Anschlag!
    Der Geldfluss konzentriert sich auf ganz wenige Brands, meistens Luxus-Brands mit bis zu 60 % Umsatzrendite - Du weißt was das bedeutet?
    Gute Schuhe kommen aus England und sind rahmengoodyear welted, Wolljacken kommen von den Hebriden mit eingängigem Logo, Stricksachen ebenfalls aus UK, Suits, also Anzüge, aus der Savile Road, auch UK, da in London,.... oder liegt das bloß daran, dass Englisch so gut wie die einzige Fremdsprache ist, die Schüler lernen können?

    Aber sei es drum: Wie hältst Du es mit den Marken & Brands, und warum kaufst Du sie? :Tröster:

  • urban September 8, 2023 at 1:15 PM

    Changed the title of the thread from “Marken & brands: Warum traust du ihnen und zahlst viel Geld dafür + wann wird für dich ein (Hersteller-) Name zum Brand?” to “Marken & Brands: Warum traust du ihnen und zahlst viel Geld dafür ?”.
  • Damit magst du zweifelsfrei Recht haben, nur frage ich mich ab und an warum die User nicht auch nach anderen Sachen Ausschau halten,
    die preisgünstiger oder, bei ungefähr gleichem Preis, besser sind.

    Sind sie zu faul dazu oder nur zu bequem? Folgen sie absichtlich einem Hype und schmücken sich gerne mit dem bekannten Logo
    oder ist es zu viel Arbeit sich etwas abseits vom Mainstream zu suchen, wissen nicht wobei es bei dem jeweiligen Teil ankommt usw. - sprich: reicht ihr Selbstbewusstsein nicht dafür aus solche "Noname" zu tragen?
    Es wird doch allenthalben so gerne davon gesprochen, dass das Internet ein Informationsmedium ist... nur bemerken tut man das so gut wie nirgends.

    Männer folgen Marken!
    Ist das gentlemanlike + stilvoll und zeugt von sartorialer Bildung?


    Das sind übrigens die berühmten Blackface Sheeps von den Outer Hebrides.
    Bei Daunenjacken werfe ich jetzt einmal Duvetica und Ciesse ins Rennen, letztere sogar mit 800 fill power echten Daunen.

    Bei den Themen Socken und Schuhpflege kann ich detailliert berichten.

    Warum bei Männern immer Marken, resp. das, was sie dafür halten?
    Frauen sind i.d.R. noch viel schlimmer beim Zurschaustellen von Brands.

    Edited 2 times, last by urban (September 8, 2023 at 7:32 PM).

  • Recherche ist halt was es ist: Vor allem Arbeit. Wenn man Freude an schönen Dingen hat, dann mag es viel mehr sein als Arbeit und sogar Vergnügen. Doch ich vermute mal, dass die allermeisten Männer in DE zum Beispiel Schuhe nur sehr beiläufig: Die werden angeschafft, wenn es sein muss und dann wird der Einkauf hoffentlich möglichst schnell hinter sich gebracht.

    Und so gibt es auch für hochwertige Schuhe „Abkürzungen“: Wir wissen zwar, dass da oft eher was zweitklassiges rauskommt. Doch die Menschen, die auf diese Weise einkaufen sind zufrieden: Sie sparen sich Zeit für „wichtigere“ Dinge im Leben und das Branding und die Werbung gibt ihnen das Gefühl, etwas erstklassiges gekauft zu haben. Was will man mehr an ihrer Stelle? Solch ein Menschentyp würde die Schuhe auch nicht selber pflegen, sondern dafür einen Service nutzen. - Jedem das seine, vermute ich mal. Und Vertrauen spart einem halt viel Recherche-Arbeit. Und letzter Punkt: Werbung schafft Vertrauen. Deshalb ist alles so wie es ist. Zumindest ist das mein Standpunkt.

  • Nun ja, viele (Ehe-) Männer werden immer noch von ihren Frauen mit Kleidung und Schuhen (sic!) versorgt.

    Die Kaste der an Mode Desinteressierten.

    Die Männer, die sich an dem orientieren, was gerade IN ist, sind ...

    Die Instagramgucker rangieren darüber, weil sie sich auch Videos anschauen und sich meist auch von Gentleman-, Herren- und sonstigen Bloggern beeinflussen lassen.

    Wirklich neugierige Männer wie Frauen sind sehr selten.

    Aber mit irgendjemandem müssen die Brands ja schließlich ihre Geschäfte machen,

    und da frage ich mich wirklich - es geht schließlich um ein paar tausend €uro jedes Jahr - warum die Klientel ihr Geld so gedankenlos, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgibt.

    Fehlt die Übersicht, das Interesse, die Neugier... oder ist einfach bloß viel Geld da?

  • Ich glaube, das ganze Thema ist recht vielschichtig: Ein weiteres Puzzleteil dürfte die zunehmende Vereinsamung sein: Der echte soziale Austausch ist weniger geworden und an seiner Stelle nehmen Influencer und Werbebotschaften den entstandenen Leerraum ein. Jetzt ist der obige Beitrag auf Instagram von einem etwas anderen „Influencer“ oder der Beitrag ist einfach anders verglichen zum Mode-Mainstream. Doch die viel dominantere Beeinflussung liegt aus Seiten der großen Designer-Marken, die haben ja auch viel mehr Geld dafür.

    Um nochmal auf meinen Punkt zurückzukommen: Geld ist nicht alles. Dass die Beeinflussung so gut gelingen kann liegt auch daran, dass unsere Gesellschaft bildlich gesprochen eher aus ganz vielen Atomen besteht anstelle von weniger, dafür aber viel größerer Moleküle. Und Atome sind kleiner und von daher anfälliger für Anziehung. Ende meiner gesellschaftsphilosophischen Betrachtung.

  • Man kann dieses Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, was aber zu weit führen würde.

    So ist Loro Piana solch ein Luxuslabel - in Italien werden deren Outlets von den Kunden überrannt. In derselben Straße gibt es einen Fabrikverkauf, ein wirklich schöner Store, von der Lanificio Colombo: Dort herrscht weit weniger Andrang.

    Ich kenne hier 3 junge Männer: Einer trägt 800 € Sneaker, von der Freundin geschenkt bekommen, der zweite hat sich von demselben Label ein Paar gekauft, und der dritte importiert (bewusst) Fakes bekannter Brands, um sie zu tragen.

    Die sogenannten Markenartikel gab es aber schon vor dem WWW - der Brandfetischismus wurde weiter verstärkt.

    Natürlich ist da viel Geld im Spiel und diktiert, direkt oder indirekt, was die Blogger zu schreiben haben.

    In Foren gibt es etwas Vergleichbares ebenfalls, man denke an die Forenschlipse, -hemden, usw..

    Warum sucht niemand nach gleichwertigen oder besseren Artikeln und folgt mal diesem und mal jenem Hype?

    Die angesprochenen Artikel haben einen Produzenten, und so arg schwer ist es nicht den herauszufinden...sondern eine eigentlich sehr simple Angelegenheit.

    Wie aus einem Namen ein Brand wird kann man anhand von G&G oder De Fumo sehen.

    Früher = ante WWW gab es die Beratung im Einzelhandel, so lernte ich Piacenza, Malo und Aida Barni kennen, nebst weiteren, und wer berät heute die Onlineshopper objektiv?

    Wie entstehen Marken?

  • Ist De Fumo mittlerweile eine Brand bzw. Marke? Und ist das per se schlecht? - Ich meine, gibt es nicht Marken, die das Vertrauen auch wirklich wert sind? Ich denke da spontan an Miele, die für die Langlebigkeit der Produkte relativ bekannt sind, ähnlich auch Toyota unter den Autoherstellern. Ab wann wird denn eine Firma zur Brand bzw. Marke? Sobald sie bekannt genug wird?

  • Empfehlung, Erfahrung, Zeitnot / Unwissenheit – auf diese Schlagworte kann es bei mir selbst reduzieren.

    Erfahrung

    Wir alle haben sicher schon einmal völlig überteuerte Produkte mit einem großen Markennamen gekauft und wurden bitter enttäuscht oder haben no-name Artikel, die einfach genau das tun, was sie sollen. Das können die Socken oder Pullunder der Großmutter sein oder das vermachte Werkzeug vom Urgroßvater. Je mehr ich mit bestimmten Dingen zu tun habe, desto eher weiß ich, worauf ich bei einem Neuerwerb achten sollte und wenn es nur ist, dass ich weiß, was ich auf gar keinen Fall noch einmal erleben möchte. Wenn ich mit einem Artikel einer Firma / Marke zufrieden bin, dann greife ich beim nächsten Kauf vermutlich wieder dort zu bis mir eine bessere Alternative begegnet und sich mein Kaufhorizont weitet.

    Empfehlung
    Wenn ich einen Artikel suche und weiß an wen ich mich vertrauensvoll für eine Beratung wenden kann, dann folge ich der Empfehlung, spare mir Zeit und Nerven. Sofern ich nicht weiß an wen ich mich wenden kann und mir die Zeit nehmen kann, dann recherchiere ich gern dazu im Internet. Für die Suche und das Einlesen nehme mir auch immer wieder mal ein paar Stunden. Schnell finde ich dann ein paar Empfehlungen, muss aber schauen, dass ich nicht in einer (gehypten) Blase gelandet bin. Dafür helfen mir der zeitliche Abstand und ein paar Kaufkriterien, die ich mir vorab zurechtlege.

    Ich war längere Zeit im Stilmagazin unterwegs, habe rege mitgelesen und auch sehr interessiert Trunk-Shows besucht. Später bin ich auf dieses Forum rüber geschwenkt und mein Account im anderen Forum liegt seit Jahren brach. Über Urbans Beiträge habe ich meinen Wissenshorizont erweitern können und das hat auch mein Kaufverhalten bestärkt: Ich schaue weniger auf die Hülle (die Marke) als auf den Inhalt (das Material, die Herstellung) und meine Anwendung. – Ich radle bei Wind und Wetter zur Arbeit und trage dabei einen Rucksack. Das berücksichtige ich beim Kauf der Kleidung und meiner Schuhe.

    Zeitnot und Unwissenheit

    Wenn ich kurzfristig etwas anschaffen muss und noch kein tiefer gehendes Wissen um den Artikel habe, dann verlasse auch ich mich auf den Ruf von Marken / Firmen, auf Vergleichstests und auf die Empfehlung von Verkäufern. Hier schwingt die Hoffnung mit, dass der gute Ruf dem Produkt zurecht zugesprochen wird und dass die Beratung nicht ganz verkehrt ist.

    Ob das gewählte Produkt auch tatsächlich in die Stärke der Firma / Marke fällt, weiß ich dabei häufig nicht.

  • Das ganze ist eigentlich viel differenzierter zu betrachten. Mir ist bewußt das Urban es weiß / kennt aber die Aussage Spannen von +60% klingen ja ersteinmal sehr attraktiv aber letztlich ist ein Teil auch dafür gedacht, dass nach der Saison die Ware reduziert abverkauft werden muss und dann reduzieren sich die eigentlichen Spannen (Lagerrestanten) - außerdem muss der gesamte Marketingwust im Hintergrund bezahlt werden. Bzgl. des Marketings: Dieses hat aber nichts mit der eigentlichen Spanne zu tun - eher mit dem Kalkulationsfaktor, denn es wurde bereits darauf gerechnet

    Ein Brand ist es, sobald eine bestimmte Bekanntheit (mindestens in der Zielgruppe) verbunden mit einer bestimmten Positionierung (welche von dieser wahrgenommen wird) erreicht wurde. Brands sind ja nicht per se schlecht aber es gibt halt, wie Urban bereits sagte, viel Müll aber andere werden auch schlechter geredet als sie sind. Gerne wird darauf eingeschlagen, indem man die Teile vielleicht nur im Netz gesehen hat und nie etwas in der Hand gehalten hat.

  • So richtig klar wird mir das nicht, worin denn "der Pakt mit dem Teufel" bestehen soll, den man schließt, wenn man für viel Geld sich Geschmacklosigkeiten an die Füße bindet, die einen bekannten Namen tragen ? Kann mir das jemand bitte erklären ? Vielleicht bin ich ja auch nur kommunikativ nicht mehr so richtig auf dem Laufenden.

    Instagram funktioniert für alle auf die gleiche Weise: Es kann nur kurze komprimierte Inhalte bereit stellen. Mehr geht einfach nicht.

    Je kürzer das Video, desto oberflächlicher muss es sein. Tik-Tok ist das "Optimum" dessen.

    Aber eines ist doch auch klar m.E.: Sneaker sind einfach ein nicht mehr wegzudenkender Teil des Schuhoutfits der Gesellschaft geworden.

    Wenn ich junge Frauen bei uns im Geschäft oder in der Stadt sehe, wie sie im Sommer zu einem schönen luftigen Kleid Sneakers tragen, dann empfinde ich die Optik auch noch immer gewöhnungsbedürftig, aber ich verstehe andererseits das Bedürfnis, bequem durch den Tag kommen zu wollen, insbesondere wenn frau auch per Pedes unterwegs ist.

    Es gibt auch Sneakers, die sind einfach schlicht gehalten, haben Kalbs- oder Ziegenleder als Obermaterial, sind mit der Sohle vernäht und nicht nur verklebt und die Sohle besteht auch aus Naturkautschuk, das einen besseren Grip ermöglicht.

  • „Pakt mit dem Teufel“ finde ich auch übertrieben, aber den Kern der Kritik finde ich relativ klar dargestellt: Geld Verbrennen durch das Kaufen von 900,00 Euro Sneakern, deren Qualität meilenweit von ihrem Preis entfernt ist.

    Es geht da nicht um Sneaker an sich - ich bin überzeugt, dass der Herr nichts dagegen hätte, wenn man sich hochwertige Sneaker für 200,00 Euro kaufen würde oder ein Paar elend aussehender und minderwertiger Sneaker für vielleicht 50,00. Er würde beides auch vollkommen verstehen und im zweiten Fall bekommt man ja wenig an Sneaker, weil man auch wenig Geld investiert.

    Was der gute Herr aber nicht verstehen kann, wie man minderwertige Schuhe für ganz viel Geld verkaufen kann und ich glaube er empfindet das fast schon als Betrug. Meine Vermutung: „Pakt mit dem Teufel“ nennt er es wohl deshalb, weil man mit einem solchen Kaufverhalten die jeweiligen Firmen dahinter unterstützt (und damit auch ihren „Betrug“ an den Kunden).

  • Pakt mit dem Teufel, ein Schlagwort.

    Manche Luxusprodukte haben, und damit liegt der Herr richtig, nichts mit einer halbwegs vernünftigen Qualitäts-Preisrelation zu tun
    sondern sind nur noch Selbstzweck: Mann oder Frau zeigt, dass er oder sie es sich leisten kann, viel Geld zum Fenster raus zu werfen:
    Selbstdarsteller!

    Frau denke bitte an die teuren Gummitaschen, Mann an Gürtel mit Logoschnalle usw..

    In Umbrien, IT, gibt es ein Luxus-Cashmere-Brand, da kostet selbst im Outlet ein dünner Pullover mehr als andere im Ladengeschäft für dieselbe Qualität verlangen.
    In Deutschland ist dieses Brand, nebst anderen, sehr bekannt. Andere, wirklich herausragende Marken, was Cashmerestricksachen angeht,
    kennen dagegen nur Insider.

    Die Wahrnehmung der Artikel durch die potenziellen Kunden und deren Bewertung, die sich im Preis, den sie maximal dafür zu zahlen bereit sind, niederschlägt.

  • Wir vertrauen und investieren in Marken, weil sie mehr als nur Produkte sind; Sie sind Versprechen von Qualität, Beständigkeit und Identität. Marken vereinfachen Entscheidungen in einer komplexen Welt, werden zu Begleitern auf unserer Reise und zu Mitautoren unserer Geschichten. Sie haben unser Vertrauen dadurch verdient, dass sie ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, und wir zahlen bereitwillig für die Erfahrung und Zuverlässigkeit, die sie bieten.

  • Mit dem letzten Kommentar kann ich gefühlt nur zur Hälfte mitgehen. Der Kommentar klingt aber sehr poetisch.

    Ich denke auch, dass Marken mehr als Produkte sind. Aber in meinen Augen sind nur die wenigsten ein Versprechen von Qualität. Ich denke die allermeisten sind ein Versprechen von Gefühlen wie Exklusivität und dergleichen.

    Mit der Vereinfachung kann ich wiederum total mitgehen. Letztlich ist es wie mit fast allem im Leben: Entweder du hinterfragst kritisch oder du vertraust. Der letztere Weg ist der deutlich einfachere und natürlich gibt es x Graustufen dazwischen.

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