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Thema: Kuriositäten aus der Welt der Schuhe und deren Pflege

  1. #641
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    Gibt es denn noch das Original?


    Mit dem Meerwasser meinst du das hier schätze ich:

    Das Juchtenleder der gesunkenen S.S. Metta Catharina

    1786 sank die in Sankt Pertersburg beladene S.S. Metta Catharina in der Bucht vor Cornwell. Sie hatte eine Ladung des besten russischen Juchtenleders an Board, welches für Genua bestimmt war. Das Schiff samt des kostbaren Ladung lag bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts unberührt auf Grund. Prinz Charles, der Duke of Cornwell, finanzierte den ersten Tauchgang, um die Ladung zu bergen. Um dieses Wrack bildete sich im Laufe der Zeit eine kleine Gemeinde von Hand-werkern, Intellektuellen und Forschern. Einer von ihnen war ein Lehrer aus Cornwell, der nebenbei schon immer Lederarbeiten anfertigte. Dieser Lehrer gab sein Schulamt auf und widmete sich ganz diesem geborgenen Juchtenleder. Er entsalzte es über verschiedene Bäder, entwickelte eine schonende Art der Trocknung und Ölung. Ein Prozess der langwierig war und höchste Perfektion verlangte. Dadurch wurde das, an sich schon sehr wasserresistente Juchtenleder, noch beständiger. Leider neigen sich die Bestände, dieses außergewöhnlichen Leders, langsam dem Ende zu und nur eine kleine Zahl von entstandenen Produkten höchster handwerklicher Präzession, werden beständige Ernte dieser spannenden Geschichte sein.
    Quelle: http://www.kleidungskultur-soer.de/?tag=juchtenleder

    Aber so wie ich das verstanden habe waren die heute verwendeten Häute geschützt unter anderen Häuten, ob die obersten, am stärksten angegriffenen Häute dann auch noch verwendet werden wird nicht gesagt.


    Heute wird anscheinend amerikanisches (bei Ludwig Reiter Stiefel aus den letzten Kollektionen, ob sie nur amerikanisches* Juchtenleder verwenden?) oder schweizerisches (diverse Wanderschuh-Hersteller) verwendet, russisches anscheinend nur bei Abziehriemen für Rasiermesser aus Solingen.
    Abgesehen von Uhrenarmbändern gibt es noch eingescannte Bücher bei Google, ( https://www.google.de/search?tbm=bks...h+Juchtenleder )

    Anscheinend war es im 19. Jhdt. ein Exportschlager.

    Nun ja, haben die hiesigen Gerbereien aus den geborgenen Häuten es geschafft, dem "Geheimrezept" auf den Grund zu kommen und gleichwertige Nachahmungen anzubieten oder haben sie heute schon andere, gleichwertige Ledersorten und sind an dem Juchtenleder nicht so interessiert?

    Oh und anscheinend kann man das historische Leder hier kaufen //Nein, doch nicht, ist nur davon inspiriert....
    http://www.edelmanleather.com/produc...sian-antiqued/



    (* Amerikanisch == USA oder == Argentinien?)

  2. #642
    Administrator Avatar von urban
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    Ja, darauf habe ich angespielt.

    Warum sollte sich jemand die Mühe machen und versuchen den alten Gerbprozess nachzuvollziehen - das geht doch viel einfacher!

    Verkauf den Leuten eine dicke Kuhhaut und nenn' sie einfach Juchtenleder!
    Man erzählt ihnen die Story vom Pferd, sorry von der Kuh, wählt ein paar warme schmeichelnde Worte, das übliche Marketender-Gesülze halt, fällt doch eh keinem auf.
    Sie kaufen's doch auch so und sind dabei noch überglücklich, dass das Leder so schön dick ist - das nennt sich mal QUALITÄT!

    Man muss den Leuten einfach nur erzählen was sie brauchen:
    Scotchgrain Premium Leather
    Pferdeleder
    Emulsionscremes
    Pomaden
    Fettwachs
    Premium Gedöns von Hinz und Kunz
    Winter Boots in Goodyear Welted mit Schaffell

    Bespoke - alles immer nur bespoke vom Feinsten, mindestens aber businessman or better gentleman grade, PREMIUM muss es aber immer heißen,
    da beißt nun mal keine Maus den Faden ab!

    Wie sonst lässt sich Kalkulationsfaktor von 3.X in der Adventszeit so locker umsetzen?
    Einfach nur den Leuten plausibel machen was schön + begehrenswert ist!
    Wenn's mal nicht so funktioniert wie angedacht, und ein paar denken doch mal nach, dann ruf nach dem Capo - wofür sonst bekommt der schon sein Geld?

  3. #643
    Administrator Avatar von urban
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    War das jetzt mal wieder ein bisschen zu direkt?
    Zu viel der Tatsachen und zu wenig Smalltalk?

    Dann hätt' ich noch einen Seelenbalsam:



  4. #644
    Administrator Avatar von urban
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    Die Frage nach den vielen Ledersorten und deren Qualität ist natürlich schon sehr interessant und auch wiederum nicht,
    wenn Leute darauf schwören hochwertige Taschen für unter 100 € und Schuhe für unter 200 € gekauft zu haben.

    Das echte Juchtenleder hatte schon eine sehr außergewöhnliche Qualität, nur gingen die Rezepturen und das Wissen um den Produktionsablauf
    in den Oktoberrevolutionswirren verloren.
    Ersatz, wenn auch kein gleichwertiger, wurde von den Gerbereien bzw. den Herstellern von Lederwaren schnell gefunden - dafür reicht der Besuch einer einzigen Fachmesse aus.
    Wer kennt sich heute noch mit Leder aus oder wen interessiert's noch?
    Wer kennt die Unterschiede schon nur mal bei Kalbsleder zwischen Vollanilin, Semianilin und beschichtetem Leder?
    Über Leder wird viel erzählt wenn nur der Tag lang genug ist...

    Oder nehmen wir das Beispiel mit dem Altgerberverband und den ehemaligen Mitgliedern:
    Da wird ein Riesenhype um ein, zwei Firmen gemacht aber nachdenken darüber, dass das, was in der Öffentlichkeit verbreitet wird, so gar nicht zutreffen kann, tut offensichtlich niemand.
    es wird immer nur das wiedergegeben, was man irgendwo irgendwann einmal darüber gelesen hat - egal ob es stimmt oder nicht.
    Es macht auch wenig Sinn darauf einzugehen, gegen herrschende Meinungen anzuschreiben wäre Don Quijote, also lass ich es lieber.

    Wenn also zu den o.g. Preisen bereits allerbestes Material zum Einsatz kommt nach Meinung von so vielen, dann ist jedes Wort darüber überflüssig, dass das gar nicht sein kann.
    Die Leute wollen gar nicht informiert werden - sie wollen nur Marken, Marken, Marken hören und sich in erster Linie in ihrer Meinung bestätigt fühlen.
    Man schaue sich nur einmal an wie mimosenhaft sie reagieren wenn sie sich auch nur belehrt fühlen.
    Sie wissen doch bereits alles, und vor allen Dingen: besser!

    Qualität und Wertigkeit - um dies zu beurteilen werden dagegen immer nur Marken zitiert, von denen die Schreiber glauben - wissen tun sie es bekanntlich nicht -
    die angeblich Qualitätsartikel anbieten, deren Nimbus, Markenimage wird runter gebetet, aber kaum einer kann genau sagen warum das eigentlich so sein soll!

    Was ist denn eigentlich ein 300er Stoff, ein NM 4/300 oder ein Ne 300/4, und was sagen diese Zahlen aus?
    Welche Eigenschaften hat so ein Stoff?
    Wie lange dauert eine Eichenlohegerbung nun tatsächlich?
    4 bis 6 Monate oder länger?
    Warum nur haben die früher, also vor ein paar Jahren noch, volle 24 Monate dafür gebraucht?
    Die Lederqualität ist dieselbe? Derselbe Qualitätsstandard? Daher auch das Eichenlohesiegel auf allen Häuten und Sohlen?
    Wie schaut's bei Shell Cordovan aus, wie bei Horsehide, welche Gerbmethoden gibt es, wie lange brauchen sie?
    Was ist eigentlich Lohe?

    Sich damit auszukennen wäre ja viel Arbeit, man müsste sich damit intensiv beschäftigen, dann ist es doch besser, weil viel einfacher,
    nur Marken-Artikel-Namen zu rezitieren.

  5. #645
    Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von urban Beitrag anzeigen
    Die Frage nach den vielen Ledersorten und deren Qualität ist natürlich schon sehr interessant und auch wiederum nicht,
    wenn Leute darauf schwören hochwertige Taschen für unter 100 € und Schuhe für unter 200 € gekauft zu haben.
    Wobei sich dann die Frage stellt, ob "perfekte Verarbeitung" und "sehr gute Qualität" auch ernst gemeint ist oder von der eingekauften bzw. wohl eher beschenkten "PR-Abteilung"...

    Zitat Zitat von urban Beitrag anzeigen
    Das echte Juchtenleder hatte schon eine sehr außergewöhnliche Qualität, nur gingen die Rezepturen und das Wissen um den Produktionsablauf
    in den Oktoberrevolutionswirren verloren.
    Ersatz, wenn auch kein gleichwertiger, wurde von den Gerbereien bzw. den Herstellern von Lederwaren schnell gefunden - dafür reicht der Besuch einer einzigen Fachmesse aus.
    Auf der Suche nach "russia tannery" lässt hoffen:
    http://www.okz.ru/production/ laut eigenen Angaben 1730 gegründet, außerdem gibt es noch eine ganze Reise an weiteren Gerbereien mit englischen Internetseiten, vielleicht gibt es noch versteckte Perlen; die Gerberei Martin von der du mal berichtet hast hat auch keinen eigenen Internetauftritt.

    Nun ja vielleicht werden mit dem gefallenen Rubel alle russischen Häute aufgekauft und so manch echtes Juchtenleder sich hierher verirren;)

  6. #646
    Administrator Avatar von urban
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    Sicher gibt es die unentdeckten Gerbereien, auch in Russland, nur leider habe ich mich noch nicht dafür interessiert, und dann gibt es ja auch noch ein paar in Deutschland,
    über die ich noch nichts geschrieben habe.
    Ich hatte mal den Versuch unternommen mich schlau zu machen wo ich gutes Elchleder herbekommen kann und nach Gerbereien in Schweden und Finnland gesucht;
    daneben habe ich auch einige Handwerker und -innen gefunden, die daraus Lederbekleidung auf Maß und nach Kundenwunsch herstellen.

    Da gibt es noch sehr viel zu entdecken und auch zu veröffentlichen, nur: wozu soll das gut sein?

    Ich selbst verspüre nicht den Willen Artikel darüber zu schreiben, mir Bildnutzungsrechte einräumen zu lassen und alles zu texten;
    das ist mir im Moment einfach zu viel Arbeit und vor allen Dingen Zeit, die mir dann sonst wo fehlt.

    E gibt ja auch noch verschiedene Gerbmethoden in Skandinavien... und dann auch noch die auch hierzulande bekannte Sämische Gerbung.

    Alles in allem bin ich der Meinung, dass alleine das Thema Leder als solches die meisten Leser überfordert bzw. sie sich überfrachtet vorkommen,
    zumal ich immer mehr die Überzeugung gewinne, dass nur die Marken und die Brands zählen.

    Ich sehe das doch allzu deutlich bei meinen Strümpfen:
    Angegeben werden der Garnlieferant, die genaue Spezifizierung der Garne, die bis zu 4-ply (4-fädig) reichen, die Garnzertifizierung nach OEKO TEX 100 II usw.
    die Strickerei Q. wird von Brancheninsidern zu den fünf besten der Welt gerechnet - nur:
    Die Qualität interessiert nicht so sehr viele VOR dem Erstkauf, später dann schon.

    Dafür werden dann im Netz absolute Phantasie-Brands gehypt von denen noch nicht einmal einer weiß wer die Strümpfe überhaupt gestrickt hat, und aus was,
    oder Marken-Socken werden zu Preisen verkauft, die ich nur als leicht abgehoben bezeichnen kann.

    Dieses Prinzip MARKE, was immer das auch sein mag oder der Einzelne darunter versteht, zieht sich querbeet durch alle Sparten.
    Warum also unbekannte Gerbereien und deren Leder vorstellen und die Qualität(en) erläutern - im Internet?

    In der realen Welt - der kleine Unterschied - wissen die Schuhmacher und Feintäschner schon von welcher Gerberei sie ihre erstklassigen Sohlen- und
    sonstige Leder beziehen, auch in welcher Qualitätsklasse.
    Diese Gerbereien haben wohl sehr oft, aber nun mal nicht alle, ein gefällige Internetpräsenz.

  7. #647
    Administrator Avatar von urban
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    Das Prinzip MARKE findet sich ja auch bei der Schuhpflege wieder - dort geht es mittlerweile so weit, dass die gängigen Bezeichnungen wie Schuhwachs und Schuhcreme
    durch Phantasienamen ersetzt wurden, die ihren Eingang in die Umgangsschrift gefunden haben.
    Einfach nur genial!
    Geniales Marketing!

    Andererseits gibt es viele Leute, die diesen - man möge es mir bitte nachsehen - solchen Unsinn weiterverbreiten wie auch die Schuhpflegeweisheiten von bestimmten Marken.
    Genial zum Zweiten!

    Auch Händler tun ihr Bestes und blasen in dasselbe Horn, natürlich nur zum Wohle ihrer Kunden - dabei herrscht traute Einigkeit beim Marketing!
    Genial zum Dritten!

    Weniger genial, wenn überhaupt, ist, dass nur der deutsche Markt so reagiert, der englische nicht, der französische nicht, der schweizerische nicht und
    auch nicht der im Eldorado Japan, wo Aficionados viel mehr Geld für Ihre Schuhe und deren Pflege ausgeben als in jedem anderen Land dieser Welt.
    Schuhbürsten, die umgerechnet ca. 50.- € kosten, dürfen max. 2 bestellt werden,
    Schnürsenkel kosten mit Metallnadeln knapp 10.- € und Maßschuhmacher gibt es dort mehr als in den USA und England zusammen.

    In Deutschland kennt man sich mit der Schuhproduktion, dem Tragen und insbesondere deren Pflege erstklassig aus.

    Verwunderlich?

    P.S: Mir fehlt nur noch die Feme in meiner Sammlung der Erlebnisse rund um Schuhe - tue mein bestes diese auch noch zu bekommen. Ich sag' nur: RICOWI

  8. #648
    Administrator Avatar von urban
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    Leider gibt es das Marken-Denken auch bei Schuh-Namen, ergänzt um das Leisten-Denken und oft genug beschränkt auf das Attribut "rahmengenäht",
    was leider so gut wie immer mit Goodyear Welted gleich gesetzt wird, was nun einmal absolut falsch ist!

    Das größte Übel ist allerdings, dass jeder Schuhkäufer meint, glaubt, der Ansicht und festen Überzeugung ist, er könne auch als Anfänger den Sitz seiner Schuhe beurteilen.

    Schuhe sind das wohl tatsächlich wichtigste Kleidungsstück überhaupt, fast immer in ihrer Bedeutung unterschätzt, und man kann sehr vieles bei deren Auswahl falsch machen:
    Die Damen können ein Liedchen davon singen, vor Schmerzen wohlgemerkt...
    Die Herren können sich später mit Einlagen behelfen...
    Wehret den Anfängen!

    An Eitelkeit sind beide Geschlechter ziemlich ähnlich, viel Geld für viele "preiswerte" Schuhe, bei denen Schlagworte, s. oben, und die Optik im Vordergrund stehen.

    Der Werbung, der Desinformation, dem Unwissen und vor allen Dingen dem Geiz und der mangelnden Einsicht sei gedankt!

    P.S. Es gibt noch viele Gründe mehr warum mehr als 80 % aller Menschen hierzulande die falschen Schuhe tragen, genau die, die nach Bewertung von versierten Fachleuten eben überhaupt nicht zu ihren 2 Füßen passen!
    http://www.bestofbest-mode.com/showt...full=1#post194
    http://www.schuhinstitut.de/ips/

  9. #649
    Administrator Avatar von urban
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    PREISRÄTSEL













    Was schätzen Sie wie viele €uros diese Boots kosten, so in etwa? Rahmengenäht? Winterboots?

    Keine Lust lange herum zu rätseln?
    http://www.clubefashion.com/malatest...de6189f4027658

  10. #650
    Administrator Avatar von urban
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    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - Gummisohlen keine....
    Würden Gummisohlen Winterschuhe ausmachen, dann sähe man fast nur noch Leute in Winterschuhen herumlaufen, auch im Sommer <=> LOGIK
    Boots = Winterboots <=> Kniestrümpfe = Winterstrümpfe <=> Deutsche Volksweisheit?


    Nähte sind mehr als genug vorhanden, auch drum herum, ergo....

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