Posts by Herr Krivak


    Beispiel:
    Davor, erklär Du als Maßschuhmachermeister mal all den Schuhaficionados, die auf Goodyear Welted stehen, dass fast alle ihre Schuhe nicht genäht sondern nur geklebt sind,
    obwohl sie "viel Geld" dafür ausgegeben haben und dass die Korkausballung weder ein Fußbett noch der (Fuß-) Gesundheit zuträglich ist.


    Vermutlich werden Dich alle mit großen, ungläubigen Glupschaugen anstarren und den Kopf schüttelnd sich abwenden,
    denn sie wissen es BESSER, haben das so von den wahren Schuhexperten doch ganz anders erklärt bekommen!:



    Bei dem, wofür Goodyear Welted steht, wird der Schaft, der Rahmen und der "Steg", das Lippen-/Gemband, durch eine Naht miteinander verbunden.
    Das Einstechen.


    Das Gemband wird zuvor auf die "Brandsohle" geklebt.


    Damit hat man einen "geklebten" Schuh, der anschließend noch eingestochen wird: Man nennt diese Methode "Kleberahmengenäht".


    Löst sich die Klebeverbindung zwischen Gemband und Brandsohle, "fällt" der gesamte Schuh auseinander.



    Ursprünglich stand Goodyear Welted für eine Methode, bei der kein Klebstoff verwendet wurde.


    Interessant wäre hier das ursprüngliche Patent einzusehen.

    Loding ja, zumindest wurden die Schuhe von ZARCO gemacht.
    Die beiden anderen kommen, soweit ich weiß, aber aus Spanien - dazu könnte Davor Krivak eventuell etwas schreiben.


    Der kann dazu nicht wirklich etwas sagen;
    anscheinend gab es bei Markowski vor 2 Jahren einen Verkauf.
    Septième Largeur war doch ein Markowskiableger. Heute soll aber kein Zusammenhang mehr bestehen.

    N


    Neulich fragte mich sogar mein Patenkind welchen Schulabschluss ich denn überhaupt hätte;
    dann fing sie an wegen meinem Volksschulabschluss mit mir zu diskutieren, selbst mein Argument, dass ihr Vater,
    mein Cousin, ebenfalls ... und sie bei ihm deswegen wohl nie gequängelt hätte, ließ sie bei mir dagegen vollkommen unbeeindruckt!
    Das Gör kennt mich.
    :sad:


    Hallo Urban,


    "Volksschule"?


    Das sagt mir überhaupt nichts.
    Da Du mit keiner Silbe erwähnst, dass Du die allgemeine Hochschulreife (man sagt auch Abitur dazu) besitzt, muß dieser Volksschulabschluß wohl höherwertig sein, als das Abitur.

    Ja, genau das, auf das alle so scharf sind, weil es ihnen so oft erzählt wird.


    Da kann man den werten Herren noch so oft nahelegen und erklären warum dass sie besser 1 Paar Handgenähte kaufen
    statt sich 3, 5 oder 10 Paar der Pwrgrtw (Preiswertrahmengenähtenreadytowear shoes) zwecks Karussel...


    Aber gegen die zahlreichen Experten, den Windmühlenpark, ....:help: . :smile: . :help:


    Du hast eine vollkommen falsche Einstellung.

    Statt den Experten Schuhe verkaufen zu wollen, die auf Grund ihrer Herstellungsart und Auswahl der Materialien die Entstehung dieser Mulde unter den Mittelfußküpfchen II und III begünstigen kann, welche wiederum zu einer Fußdeformität führen könnte, solltest Du Schuhe herstellen, die diese Mulde, pardon, dieses "Fußbett", bereits haben, und unter dem Argument, "Bei diesen Schuhen ersparen Sie sich das Einlaufen der Schuhe, "Ihr" persönliches, "Fußbett ist bereits da", diese Schuhe deutlich teurer verkaufen.

    Und das Fußbett hast Du gleich mitentsorgt? :diablo:



    Hallo Urban.


    Fußbett?


    Du meist bestimmt diese "Mulde", die sich meistens unter den Mittelfußköpfchen II und III bildet, deren Bildung begünstigt wird, durch


    1.) eine Korkschrotpaste, die sehr rasch zerbröselt und dann nicht mehr die Funktion erfüllt, die man von einer Ausballung erwartet sowie
    2.) eines aufgeklebten Einstechdamms, auch Gem- oder Lippenband genannt, (der deutlich höher baut und weniger flexibel ist, als ein Einstechdamm bei einem handeingestochenem rahmengenähten Schuhs) und die Randstrahlen des Mittelfußes ( I und V) anhebt,


    und in dieser Kombination die Förderung eines Spreizfußes begünstigt,
    und "allgemein" im Volksmund und so manchem Internetforum als "Fußbett" bezeichnet.
    Meinst Du das?

    Na, dann lass mal bitte sehen wie die Arbeiten vonstatten gingen -



    Bevor die Holzgelenkfedern gegen Stahlgelenkfedern austauscht wurden, mußte (logischerweise) erst einmal der Absatz (-körper) und die Laufsohle entfernt werden:




    Das Entfernen der Korkausballung war nicht schwierig. Bereits teilzerbröselt fiel sie beim Ablösen der Laufsohle heraus.






    Wie man erkennen kann, gab es um die Holzgelenkfeder herum "nichts".
    Auf einem Bild, das noch später eingestellt werden wird, ist statt einem "Nichts" festes Kernleder zu erkennen. Dieses Leder umschließt die Stahlgelenkfeder.
    Doch dazu später mehr.




    Sehr interessante Bilder, ich bin auf die restlichen gespannt...


    Hallo M. Power,


    bei dieser Arbeit ging es darum, die Funktionalität der Schuhe wieder herzustellen.
    Die Kosten sollten so gering wie möglich gehalten werden;
    - Absätze entfernen,
    - Sohlen entfernen,
    - Ausballung entfernen,
    - Holzgelenkfeder gegen Stahlgelenkfeder austauschen,
    - Ausballung einsetzen,
    - Langsohlen aufbringen,
    - Absätze Lederschicht für Lederschicht aufbauen
    sind bereits arbeitsaufwendig.


    Auf Schnickschanck, wie bunte Bildchen auf den Sohlen wurde verzichtet.

    Guten Morgen Davor!


    Vielen Dank für Deine Fotos - ich als Nichtschuhmacher benutze lieber den Ausdruck Gelenkstück statt -feder, da es dann nicht
    zu dem Mißverständnis kommen kann, dass dieses Teil federt -


    Also das Gelenkleder oder Gelenkstück, welches aus sehr festem Leder bestehen und in welchem die Gelenkfeder eingebettet sein sollte, ist bei dem gezeigten Schuh nicht vorhanden.
    Stattdessen ist um die Holzgelenkfeder herum diese KorkschrotpasteDingsBums.


    Wie es besser gemacht werden kann, wird auf weiteren Fotos noch gezeigt werden.


    es hält, steift aus oder es bricht wie Deine Fotos zeigen,
    und dann wird's teuer.
    Aber es gibt ja auch Hersteller, die erst gar kein Gelenkstück einbauen getreu dem Motto:
    Was nicht da ist, das kann auch nicht kaputtgehen!
    Stattdessen versuchen sie den Schuh durch dickere Sohlen, z.T. sogar 360 Grad rahmengenäht, auszugleichen - dies macht ihn allerdings recht schwer.



    Ja, das sind dann die Schuhe, an denen der Absatz (-körper) nicht richtig hält.
    Scheint wohl Kult zu sein.



    Ich bin auf jeden Fall ganz gespannt auf die Fotos vom weiteren Arbeitsfortschritt.:smile:


    Ich sollte mich exakter ausdrücken.
    Es handelt sich bei meiner "Auszubildenden" natürlich um meine Ex.
    Ex-Auszubildende.
    Die Aufnahmen sind schon älter.
    Den "Arbeitsfortschritt" gibt es nicht, da die Arbeit ja bereits seit längerer Zeit abgeschlossen ist.
    Aber die Bilder werde ich natürlich trotzdem einstellen, damit man sehen kann, wie´s weiterging.

    Guten Morgen Urban,


    ja, da hast Du mal wieder Recht.


    Es kommt aber leider auch vor, dass wir die Arbeit eines, na, benutzen wir mal den Ausdruck, "Reparateurs", nicht mehr ausbessern können.
    Das Ausbessern ist nicht möglich, oder zu aufwenig.


    Aber nicht immer sind (ungelernte ??) Reparateure die Schuldigen.


    Anbei Bilder eines Schuhs, bei dem die Holzgelenkfeder gebrochen ist:


    Bild 1:
    Man kann den Schuh mit wenig Kraftaufwand durchbiegen. Der Verdacht einer gebrochenen Gelenkfeder oder das
    Nichtvorhandensein einer Gelenkfeder liegt nahe:




    Bild 2:
    Man kann die Bruchstelle der Holzgelenkfeder erkennen:



    Bild 3:



    Weitere Bilder über das Fortschreiten des Austauschens von Gelenkfedern durch meine Auszubildende folgen.

    Ja,
    das Titelbild und der Text sind schon urkomisch.


    Trotzdem,
    eine Frage bleibt:


    Unter dem Foto steht:
    "... Er arbeitet als Journalist, gibt Referate zu Stilfragen und arbeitet als Personal Shopper (Einkaufsbegleiter für Vermögende)."
    Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/ku…r-aussehen/story/22314343


    Mich interessiert, wieviele Vermögende dieser Personal Shopper in Florenz begleitet hat, als er vorgab, sich Maßschuhe machen lassen zu wollen?

    Und wie nah ist sie in den zwei Jahren danach an ihren Meister rangekommen - sieht man da noch einen Unterschied?:pardon:


    Mal abwarten.


    Sie bessert die Arbeit von "Meisterwerkstätten" aus (und ich grinse hämisch).
    Gelegentlich bessere ich ihre Arbeit nach.
    Und wenn sie in 10 Jahren meine Arbeit nachbessert, werde ich mich sehr freuen.


    Aber das Ausbessern von Kollegenarbeit ist leider nicht immer einfach.
    Oft machen, nennen wir es einfach mal "merkwürdig ausgeführte Reparaturen" ein Ausbessern sehr schwer.


    So, wie zum Beispiel, auf dem nachfolgendem Foto zu sehen ist, wurde bei einer Halbsohlenreparatur in einem Frankfurter Meisterbetrieb, neben die ursprünglich vorhandene Doppelnaht, partiell weitere Doppelnähte angebracht.
    Aber eben nicht in die alten Stichlöcher, sondern neben die ursprüngliche Naht (siehe Pfeile).
    Die Stiche beider Nähte wurden gezogen und anschließend versucht einen Kompromiß zu finden, der Haltbarkeit und Ästhetik verbinden.


    Solche Vorlagen machen einem "das Leben" schwer.


    Die Reparatur aus dem Frankfurter Meisterbetrieb weist die typischen Merkmale auf, wenn mit einer Doppelmaschine gearbeitet wurde.


    War sie bei der Abholung wieder sprachlos?:smile:


    Deinen Gedankengang kann ich nachvollziehen.


    Man könnte tatsächlich meinen, dass die Dame sprachlos hätte sein können, über das Vorher- Nachher-Ergebnis.


    Aber wirklich überrascht war sie nicht, als sie ihre Schuhe wieder bei uns abholte.
    Seit mehreren Jahrzehnten schenkt sie uns ihr Vertrauen. Sie wußte was sie zu erwarten hat.
    Vielleicht dachte sie ja für sich: "Krivak wird es schon richten".


    :diablo:Nur diesmal hat nicht Krivak die Arbeit ausgeführt.
    Weder der "Alte" noch der "Junior".


    Es war der Stift.


    Und ich glaube, man kann aus meinen Zeilen einen gewissen Stolz, den ich empfinde, herauslesen:
    "Mein" Stift hat bereits im ersten Lehrjahr Arbeiten abgeliefert, die auf so hohem Niveau sind, dass unsere Kunden glauben, der Meister selbst hat´s gemacht.


    Ich habe noch einige weitere Beispiele, die ich demnächst hier einstellen werde.

    Wie auf dem letzten Bild ersichtlich, scheinen die Schuhe ja aber von fachkundiger Hand – ich vermute aus Stuttgart – gerettet worden zu sein...


    Stimmt.
    Die Aufnahmen habe zwar ich Urban zur Verfügung gestellt, aber die Korrektur dieses "Kunstwerkes" stammt nicht von mir.


    Die Damenschuhe wieder in den usrpünglichen Zustand zu versetzen habe ich von meiner Auszubildenden ausführen lassen.


    Diese Schuhe gehören einer Society-Lady.
    Im Flugzeug, auf dem Weg nach Südafrika, lösten sie die Sohlen.


    Wohl in der Annahme, dass das Ankleben der Sohlen kein größeres Problem darstellen sollte, gab sie die Schuhe im Hotel ab. Das Hotel "kümmerte" sich um die Ausführung der anfallenden Arbeit.


    Die feinen, dünnen, leichten Sohlen, die ursprünglich auf diesen noch nie reparierten Schuhen waren, wurden nicht angeklebt, sondern durch sehr dicke Ledersohlen ersetzt. Und auf diese viel zu dicken Ledersohlen wurde anschließend noch Gummisohlen aufgeklebt.


    Als die Dame die Schuhe zurückerhielt, war sie vollkommen sprachlos.
    Die Zeit drängte. Sie mußte wieder abfliegen.
    In Stuttgart angekommen, brachte sie die Schuhe zu mir.


    Genau die richtige Arbeit für meinen Lehrling, dachte ich mir.

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