Kuriositäten aus der Welt der Schuhe und deren Pflege

  • Irgendwie und irgendwo sind die Maschinennähte, die aus einem Ober- und einem Unterfaden bestehen, und damit die Schuhe weniger biegsam oder flexibel
    als andere, die mit 2 Fäden mit wechselnder Lage von Einstich zu Einstich, mal oben und mal unterhalb liegend und bei jedem Wechsel miteinander verschlungen (verknotet) von Hand gedoppelt werden.
    Das macht nicht sehr viel aus, aber nach einiger Tragezeit bemerkt man schon, dass man das eine Paar lieber trägt als das andere,
    da es einfach bequemer ist.
    Wären die beiden Ausführungen dagegen gleichwertig, dann würde kein Schuhmacher mehr von Hand doppeln.

  • So langsam kapiere ich warum so viele Männer ihre Schuhe im kaufen - der Schuhkauf ist für sie wie quasi das ganze Jahr über Weihnachten!
    Jeder SALE die ganz große Bescherung!

    Zuerst wird geraten welcher Leisten es sein soll und preislich zu den eigenen Wünschen passt.
    Nach ein paar Tagen steht das große Fest in's Haus mit der Bescherung durch den Paketmann.

    Das Geschenkpaket steht gut verpackt in der Mitte des feierlich dekorierten Eichentisches
    und ist bereit seine Überraschung preis zu geben.
    Das beste Küchenmesser wird aus der Schublade entnommen und ganz vorsichtig nähert Mann sich damit in der Hand dem großen Paket
    mit dem wertvollen Inhalt.
    Vorsicht, um auch ja nicht den Inhalt zu beschädigen wird das kleine Paket im Format eines Schuhkartons aus dem großen mit beiden Händen
    herausgehoben und ganz vorsichtig daneben auf den Tisch gestellt.
    Die Spannung steigt in's Unermessliche - tausend Fragen schießen dem Mann durch den Kopf.
    Sind sie wirklich so schön wie auf den Fotos?
    Glänzen sie auch so herrlich im Licht der Festbeleuchtung?
    Wie fühlen sie sich an?
    Wie duften sie, nach echtem vegetabil gegerbtem Leder?
    Oder riecht Mann doch noch ein klein wenig den Kleister aus der Edelschuhmanufaktur, doch nicht etwa doch?
    Wie gefallen sie der besten aller Ehefrauen, bei der man das Budget loseisen musste?
    Was sagen die Kinder dazu, ob sie ihnen auch gefallen werden?

    Tausend Gedanken, und noch mehr Zweifel zernagen das Männerhirn und über allen thront die bange Frage:
    Haben meine Kollegen von der anonymen Selbsthilfegruppe mich auch ja richtig beraten per Leistenkinese,
    dabei auch wirklich keinen Fehler dabei begangen oder sich gar komplett geirrt bei der Televermessung meiner Füße und der Form
    was meine immerhin zwei Füße und die dazu optimal passenden Leisten angeht?
    Mann wird immer fickriger, die Hitze steigt in ihm hoch, die Anspannung steigt und ganz kurz bevor seine Füße noch komplett schweißgebadet sind
    reißt er den Karton auf.
    Herrlich! Wunderschön! Einfach nur geil!
    Schnell die Schnürsenkel gelöst, die beste reicht ihm schnell den Plastikschuhlöffel und hineeiiiinnnnn!
    Hat geklapppt! Mann entspannt sich - er ist drin!

    Dann wird ausprobiert und anprobiert und überlegt ob die Schuhe nach zig Kilometern vom heimischen Wohnzimmer in die Küche ins Esszimmer ins Bad und zurück über's Schlafzimmer an den Start im Wohnzimmer nicht vielleicht doch nach etwas Eintragen und dem Auftragen von Tinkturen und etwas Pressing passen könnten oder Mann den unsäglichen tränenreichen Abschied nehmen muss, um sie wieder zu retournieren.
    Quasi das vorgezogene Dreikönigsfest wenn wieder mal alles entsorgt werden muss bis zur nächsten Bescherung!

    Aber SALE  ist ja, ich mein den box-pushern + der anonymen Selbsthilfegruppe sei Dank, viel öfters.

  • HEUTE ist wieder mal ein schwarzer Freitag, der weltweit gemeinsam begangene Feiertag der Schnäppchenjäger und Naivmathematiker.

    Es wird nur auf die dicken, fetten, roten Zahlen, die mit dem % hintendran, gestarrt und je größer diese Zahl desto lieber schlagen sie zu
    in der festen Überzeugung, dass sie so am meisten sparen können.
    Sparen tut natürlich keiner etwas von den, sie geben an diesem Unglückstag, daher ja auch der Name Schwarzer Freitag, aber viel Geld aus.
    Nur macht es sie halt eben wenn sie dies in der Überzeugung tun können sie hätten dem Markt mal wieder ein Schnippchen geschlagen.
    Dabei lautet eine alte Kaufmannsweisheit:
    Sage mir wie viel Rabatt Du möchtest, damit ich Dir einen Preis machen kann.

    Nun schlägt die Stunde der Naiv-Mathematiker, die nur die große rote Zahl mit dem %-Zeichen sehen und die andere Zahl mit dem $ davor.
    10 %, 20 %, 40 %, 50 % 60 %!
    Wer bietet mehr? Kann jemand noch erhöhen?

    Wie gesagt - hätten diese Prozentrechnungs-Talente in der Schule aufgepasst und sich den Begriff der Basis gemerkt, aber lang, lang ist's her!
    Dann könnten sie zumindest noch mit dem Smartphone ausrechnen was gemeint ist wenn der Händler sagt:
    -40 %, -10 %, -3 % Skonto - Was kommt dabei raus?
    Klar, ein günstiger Preis! Klar bei diesem Händler, und klar ist auch für just diesen Artikel.

    Aber, ist der Artikel auch den Preis wert nach Abzug aller Punkte von hundert?
    Oder gibt's sonstwo viel mehr für's selbe Geld oder sogar noch für viel weniger?

    Am Schwarzen Freitag, eine Sitte, die die lieben Europäer den Amis abgekupfert haben, muss Mann einfach dabei sein und mitmachen!
    Weiß natürlich keiner, dass die Preis-Kalkulationen in den USA ganz anders gerechnet werden wie bei uns hier in Europa.
    Da fällt dann halt auch schon mal dann und wann ein Händler auf die Schnauze so wie letztes Jahr die Elektronikkette.

    Rechnen ist halt eine einfach zu lernende Kunst - aber beherrschen sollte man sie dennoch.
    Und den Markt sollte man auch ein wenig kennen, denn sonst kann es ganz leicht passieren, dass man trotz einem Viertel Preisnachlass
    für einen geklebt-genähten Schuh vom box-pusher immer noch das Dreifache von dem bezahlt, was anderswo ein Paar Maßschuhe kostet,
    oder nach Abzug aller dicken fetten % immer noch ein gutes Stück mehr für den hoch %-verbilligten Made in Englands Ex-Kolonnie
    als für ein Paar vom Schuhmacher tatsächlich handgemachte aus Italien.

    Aber Papperlapapp - so ein stilbewusster Genleman-Azubi kauft doch nix von der italienischen M. AFIA Group sondern nur beim Deutschen Markenhändler,
    ist aber nie und nimmer markenafffin sondern geht nur auf Nummer sicher, dass er auch ja ein Fuß-Bett mit Kork- und Schaumstoffpolsterung
    für sein Geld erhält - Gentle-Mann weiß ja nie, auf einmal hat so ein cisalpiner Schuhmacher nur Leder bei seinen Schuhen verarbeitet und
    den Schaumstoff einfach weggelassen?
    Das wäre ja nicht auszudenken!
    Ein Paar rahmengenähte Schuhe OHNE Fußbett! Wie sollte Mann denn darin laufen können und den langen Business-Tag überstehen,
    wenn die Füße noch nicht einmal 'ne Runde darin schlafen können? :shok:

    Waidmannsheil bei der Jagd nach den dicken fetten roten Zahlen! Einfach Augen zu & clicken

  • Gerade eben habe ich eine Anfrage beantwortet - der Text ist anonymisiert:

    [INDENT]Hallo Peter,

    also ganz ehrlich: Ich würde diesen Schuh nicht kaufen.
    Natürlich kann man die Scharte mit der Repair Cream auffüllen und einschleifen – das sollte man aber schon mal gemacht haben,

    Ich würde Dir aber bei einem Schuhkauf zu DE FUMO raten – ich habe die beiden Schuhmacher, Vater & Sohn, vor ein paar Tagen erst in meinem Forum vorgestellt.
    Die Preise sind absolut konkurrenzlos – an diesem Wochenende noch einmal um 20 % reduziert, liegen also in einem Bereich,
    den De Fumo wahrscheinlich noch bereuen wird.
    Einfach viel zu billig – sie liegen derzeit im absolut roten Bereich der Selbstkosten.

    Ein komplett von Hand genähter Schuh, also handeingestochen und von Hand gedoppelt, liegt aktuell bei unter 200 € mit 22 % MWSt !,
    der normale HÄNDLER-EK für solche Schuhe beträgt zw. 300 € und 420 €, aber NETTO!
    Es fehlen nur noch die Maßleisten – MTM & MTO machen sie bereits zu o.g. Preis inklusive! – für ca. 100 € Aufgeld

    Ich lach‘ mich im Moment kaputt über die Kerle die das einfach nicht kapieren wollen und irgendwelchen Schnäppchen von geklebt-genähten Schuhen hinterher laufen trotz Vorstellung und kurzer Schuhbeschreibung:
    Siehe Stilmagazin, Schuh-Schnäppchen. Und fragen mich nach Erfahrungen… bei Schuhen, die vom Schuhmacher handgemacht sind und das zu diesem Preis!
    Ich fass es einfach nicht!
    Dort ist aber absolut niemand markenaffin – und alle kennen sich mit Schuhen aus!

    Vorgestellt habe ich De Fuma aber in bestofbest-mode.com

    Also mein Rat – lass die Finger von diesen Kröten und lass Dir von De Fumo ein Paar von Hand und auf Maß machen – Du zahlst bis Sonntag ca. 300 € dafür,
    lass es je nach Leder auch noch 50 € oder 100 € mehr sein, aber diese Schuhe werden nach Deinen Fußmaßen gemacht….
    Der Preis wird auf Jahre hinaus unschlagbar bleiben!

    Ach ja – die im Inserat gezeigten Suede Boots kosten in Blake Rapid + Vibram 150 € -20 % !

    Ein schönes Wochenende

    urban[/INDENT]

    Diese E-Mail dokumentiert auf anschauliche Art und Weise das, was ich in meinem letzten Beitrag angesprochen habe!
    Es kommt nicht auf die Marke an und die hohen Rabatte sondern darauf, dass Mann sich

    • mit Schuhen, Macharten, Leder usw. auch wirklich auskennt

    • die Endpreise miteinander vergleicht

    • nicht markenaffin ist sondern

    • seine Augen ganz weit aufmacht und Texte liest, versteht, darüber nachdenkt und einzuordnen weiß


    Fröhliches GeldzumFensterrauswerfen! :loud laugher:

  • Heute scheint es so, dass die ersten die Reue ihrer Geldausgaben von gestern packt und die Einsicht die Oberhand gewinnt.
    Den unbelehrbaren Schuhkäufern, die wahren Rechentalenten, schlägt natürlich keine Stunde, sie haben einen fetten Rabatt eingeheimst und
    sind mit ihren Marken-Schuh-Schnäppchen restlos zufrieden:
    Goodyear + Brand + Rabatt =

  • Es scheint bei Schuhen immer noch jede Menge Binsenweisheiten zu geben, Erkenntnisse für die auch ich schon Lehrngeld bezahlt habe.

    Ein paar davon:
    Chromgegerbtes Leder <-> vegetabil gegerbtes Leder
    Chrom- oder gemischt gegerbtes Leder aus einer Europäischen Gerberei stellt aufgrund der sehr hohen Standarts absolut kein Risiko bei der Verwendung als Schuhoberleder dar.
    Es ist nahezu ausgeschlossen, dass sich Gerbsalze - Chromsalze werden keine mehr zum Gerben verwendet - durch den Fußschweiß herauslösen und
    die Gesundheit schädigen könnten.
    Es weist auf jeden Fall mehr Festigkeit, der Gerber sagt Stand dazu, auf als pflanzlich gegerbtes Oberleder, das besonders in den Gehfalten seitlich
    nach häufigem Tragen nach ein paar Jahren u.U. einreißen kann, da es in seiner Struktur weicher ist.
    Gemischt gegerbtes Leder kann z.B. cromvorgegerbt und vegetabil nachgegerbt sein.
    Ergo empfiehlt sich als Schuhoberleder ein chromgegerbtes Leder - wer auf nummer sicher gehen möchte, der kann das Futterleder und die Brandsohle
    aus vegetabil gegerbtem Leder auswählen.

    Für Brand- und Laufsohlen empfiehlt sich dagegen ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder, da die Sohlen weicher sind, die Schuhe biegsamer machen
    als steife, chromgegerbte Ledersohlen.
    Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass die veg. gegerbten Sohlen gerade nicht im Schnellverfahren wie z.B. mit vorgewärmter Gerbbrühe
    in 4, 5 oder 6 Monaten durch die Gerbgruben "gejagd" wird, denn deren sehr gutes Image beruht noch auf den Statuten des seit mind. 10 Jahren nicht mehr existierenden Altgerberverbandes, der eine Mindestgerbdauer von 24 Monaten für die pflanzliche Gerbung zwingend vorschrieb.

    Durchgefärbtes Leder <-> Crustleder = ungefärbtes Leder, das erst später auf dem Schuh eingefärbt wird, was man Patina oder Patinieren nennt.
    Die Qualität eines Leders ergibt sich aus der Qualität der Rohhaut - sic! - der Gerbung und der Zurichtung des Leders
    und hat im Prinzip absolut nichts mit der färbung zu tun oder anders herum ausgedrückt:
    Die Färbung alleine sagt nichts über die Lederqualität insgesamt aus!
    Nur wenn man gefärbte Leder miteinander qualitativ vergleicht, dann ist ein hochwertig z.B. in der Trommel durchgefärbtes Leder aus dem Oberspalt, das Anilinleder,
    einem farbkorrigierten Oberspaltleder vorzuziehen, da ersteres komplett offfenporig geblieben ist während das farbkorrigerte mittels Farbsrühpositolenkarussels
    eine zusätzliche Farbschicht erhielt, die die Permeabilität reduziert, das Leder atmet (etwas) schlechter.
    Crustleder kommt, wie schon eingangs beschrieben für Schuhe infrage, die anschließend erst mehr oder weniger kunstvoll von hand eingefärbt werden.
    Per se ist Crustleder also nicht schlechter als gefärbtes Leder - bei Schrammen und kratzern muss natürlich nachgebessert werden,
    da dann die gräuliche Farbe bei Chromgerbung oder hellbraune (Sand) farbe zum Vorschein kommt.ö

    Der Ausdruck durchgefärbtes Kalbsleder sagt also absolut nichts über die Lederqualität als solche aus sondern dient,
    obwohl als Bezeichnung absolut zutreffend, eher dazu eine faktisch einfache Lederqualität zu kaschieren,
    denn es könnte sich dabei auch um einen durchgefärbten Unterspalt handeln worüber der Ausdruck nun einmal nichts aussagt.

    Man achte auf die Haarauslasskanäle und wie fein und dicht diese sind und wie deutlich sichtbar - je mehr Farbkorrektur desto verschwommener deren Konturen.
    Es gibt andere, weit präszisere Bezeichnungen für die Leder-Qualitätsklassen.
    Ein Indikator als ganz grober Anhalt bieten die Schuh-Ladenpreise - ein Paar Schuhe für sagen wir 300 €
    mag sich wohl mit dem Attribut "durchgefärbets Kalbsleder" schmücken, dürften aber nun einmal wirklich KEIN Spitzenleder sein.

    Dasselbe gilt auch für die oft zu lesende Angabe der Gerberei gleichwohl gebraucht als Synonym für hohe Qualität.
    Das ist purer Unsinn - oder sollten die bekannten Gerbereien etwa nur 1A-Leder anbieten und den Unterspalt von jeder Haut entsorgen?
    Lederrohhäute haben nun einmal verschiedene Qualitäten, mal mit verheilten Narben oder mit Rissen oder sonstige Unregelmäßigkeiten
    und werden garantiert nicht weggeworfen wenn sich während des Gerbens ein kleiner fehler zeigt oder
    eine Haut die Farbe nicht gleichmäßig angenommen hat.
    Ergo bieten auch die sehr bekannten Gerbereien verschiedene Lederqualitäten an.

    Die Welt der Schuhe ist also sehr vielfältig und das Schuhmarketing hat ganz viele Facetten - oder sollte ich Rosstäuscherei schreiben?

    Auch die gibt es übrigens wenn an Schuhen das Etikett klebt "Echtes Cordovan" und irgendwo in der Beschreibung steht dann etwas von Pferdeleder.
    Pferdeleder, schon gefühlt tausendfach geschrieben, heißt horse hide und bezeichnet die gesamte gegerbte Pferdehaut
    Shell Cordovan ist der Kruppenmuskel des Pferdes, von Faszien ummantelt, die Pferdehaut darüber wird abgefräst, wie man in den Videos sehen kann
    Cordovan gibt es so nicht - aber Corduanleder, ein sehr feines Ziegenleder für die Handschuhmacher, aber sehr selten noch verfügbar;
    in den USA wird Corduanleder manchmal als Cordovan bezeichnet,
    diese Bezeichnung bei Schuhen zu gebrauchen dient wohl weniger der Kunden-Aufklärung und -beratung.

  • Schuhspanner aus Zedernholz - ein riesengroßer Hype.
    Grund:
    Es gibt sie für unter $10, je nach Stückzahl sogar weit unter diesem Preis, aus China, und von dort kommen so gut wie alle.
    Der zweite Grund ist der angenehme Duft des Holzes - solange sie neu sind.

    Aber eigentlich müssten sie aus Buchenholz sein, denn daraus werden auch die Leisten gedrechselt.

    Aber sei's drum - kurios ist, dass sich die Schuhkäufer unglaublich viele Gedanken über die passenden Leisten ihrer Schuhe machen,
    aber nach dem Kauf stecken sie die Einheitsschuhspanner aus China hinein.
    Viel passieren kann normalerweise nicht solange jemand keine Schraubspanner benutzt und die bis zu Anschlag aufdreht.

    Eigenschaften der Schuhspanner - die ideale Form:
    Morgen, bin zu müde

  • Auf die Fragen zum Thema Schuh-Fach-Handel, Seiten 125ff, gab es leider keine Antworten, aber ich verrate Dir etwas:
    Was ist von den Schuhbeschreibungen, Pflegeanleitungen, Aussagen, Antworten usw. eines Schuh-Händlers zu halten,
    der kein Fachhändler ist und das Blaue vom Himmel runter schreibt?

    Der kann vielleicht gut verkaufen, aber der Schuhberatung eines Schuhunkundigen zu vertrauen ist wohl der bekannte Schuss in's eigene Knie. :loud laugher:

    Das gilt übrigens für alle Branchen und alle Artikel, für Ladengeschäfte wie auch für box-pusher, die oft noch nicht einmal die Ware;
    für die sie Geld verlangen, auf Lager haben, die lieben Short-Seller unter den box-pushern.
    Ein paar bunte Fotos und vollmundige - sachunkundige - Versprechungen und schon tragen die Kunden ihnen das Geld hinterher und bestellen fleißig.
    ?RISIKO?

  • Nach meinem Laienverständnis hat man häufig (Rot)zedernholz genommen, weil es sich gut verarbeiten lässt, antibakteriell ist und die Feuchtigkeit / den Schweiß gut aus dem Schuh zieht – vielleicht sogar besser als die harte Buche. Bei Buchenschuhspannern sind ja häufig Löcher drin, um die Luftzirkulation zu gewährleisten. Außerdem riecht es nicht schlecht und es könnte sogar als eine Art passives Schuhdeo wirken.

  • Oh ja, da erinnere ich mich dunkel an Debatten in Dailyshoes über die genaue Holzart und ob diese hydrophob oder hydrophil ist, der Duft und seine Wirkung sind unbestritten.

    Wobei bei diesen Einheitsschuhspannern das Holz schon fast egal ist - hochwertige Schuhhölzer, direkt vom Leisten, auf dem die Schuhe gemacht wurden, abgeleitet,
    werden jedenfalls aus Buchenholz wegen seiner Formbeständigkeit gefertigt, für die Reise aus dem leichteren Lindenholz.

    Beim Gehen, dem Abrollen, biegt sich die Sohle nach oben, der Schuhschaft wird gestaucht - Gehfalten - und weitet sich etwas,
    auch durch die Fußwärme und die aufgenommene Feuchtigkeit der Füße.
    Der Schuhspanner hat nun die Aufgabe den Schuh wieder in die ursprüngliche Form und damit die Sohle nach unten zu drücken,
    dadurch wird der Schuhschaft wieder zurück in seine Originalform gezogen und legt sich dabei an den Schuhspanner an;
    daher ist der Schuhspanner, auch Schuhholz genannt, idealerweise dem Leisten sehr ähnlich mit minimal reduzierten Maßen,
    um ihn leichter einlegen zu können (Einleisten).
    Die Arbeit des Schuhspanners setzt voraus, dass er an der Fersenkappe, zw. Oberleder und Ferseninnenfutter, ein gutes Widerlager findet,
    seine Spitze in der Spitzenkappe ebenfalls, d.h. seine Spitze sollte exakt der des Schuhs entsprechen.
    Nur so kann der Schuhspanner optimal seine Kraft auf den Schuh übertragen und ihn wieder in seine Ausgangsposition zurück drücken und
    den Schaft in seine Ursprungsform bringen.

    Leider bieten nur sehr wenige Schuhhersteller den Service des passgenauen Schuhspanners oder der Schuhhölzer an,
    da sie zu wenig nachgefragt werden und daher recht teuer sind.

  • Der Hypetrain hat volle Fahrt aufgenommen, und alle Besteller stehen unter Volldampf und Hochspannung

    Da waren jahrelang schwarzhaarige Jungfrauen angesagt, die in einem italienischen Bergdorf mit 14.700 Einwohnern,
    dem Nachbarstädtchen von Casette d'Ete, wo das Luxusbrand TOD'S sein Sitz mitsamt Factory Outlet hat und
    auch nicht weit weg von Santoni aus Corridonia, einer anderen Luxusschuhmarke,
    doch tatsächlich von Hand die Schuhe klöppeln....

    Und nun auf einmal kommt ganz viel frischer Wind auf, ein Neuling betritt die Bühne und wirbelt das ganze Weltbild durcheinander,
    die heile Welt der geklebten Puschen aus England, Spanien und China via Malle gerät komplett aus den Fugen.
    Ungarn mit seinen via Crashkurs angelernter Schustermeistern, Rumänien mit seinen Maße-Schuhen laufen auf einmal Gefahr
    in der Gunst der Wähler abzurutschen trotz all der schönen bunt eingefärbten Bilder der schiefen Schuhe aus dem Osten.

    Ein einziges Inserat war der Auslöser für diesen Erdrutsch in der Schuhwelt

    Das soll ein Mensch dann noch verstehen!
    Da gibt's dann auf einmal tatsächlich von Hand rahmengenähte Schuhe zum in etwa halben Preis von beispielsweise English Shoes Made in India,
    1/3 tel günstiger als die geklebt-genähten zapatos für die passionierten shoeaficionados mit der Bannerwerbung-Abgabe.

    Trotz deftiger Rabattgutscheine und Black Friday Aktionen - der neue Schuhmacher unterbietet sie alle beim Preis
    und überbietet sie mit seinen Schuhen und seiner umfangreichen, aber dennoch kurzen & prägnanten Schuh- und Leistenberatung.:Good!:

    Nun darf Mann mal gespannt sein wie sich das Blatt wohl wenden wird - obwohl, warum gerade jetzt, an einem Schwarzen Freitag, ein Rätsel?

    P.S.
    Noch 1250 clicks bis 500.000 - nur gut, dass keiner einen Blick hinein wirft in diesen Thread

  • Nein, denn De Fumo lag schon vor der Black Friday-Aktion niedriger als andere Schuhmachereien in den Marken,
    und daher liegen die Normalpreise von Schuhmachern, die überhaupt Damenschuhe machen,
    viel höher.
    Um Damenschuhe machen zu können braucht der Schuhmacher auch Damenleisten, nicht nur ein Paar sondern ganz viele.
    Ein komplett neues Damenmodell zu entwickeln setzt voraus, dass der Schuhmacher die Leisten überhaupt vorrätig hat und das die Kundin bereit ist seinen Aufwand dafür zu bezahlen.

    Ein Beispiel für ein abgewandeltes Modell von Damiano Chiappini:


    Dafür musste ich nichts extra zahlen, aber die blauen Schuhe in der Machart Norvegese kosteten auch ca. 550 €
    nach Stammkundenrabatt.
    Die Änderungswünsche bzw. die Angaben dazu machte ich aber im Laden vor Ort - eine Sache von ein paar Minuten - der Schuhschaft wurde im Prinzip vereinfacht, nur das Plastron kam hinzu, und das blaue Leder war bereits vorrätig.

    Nun ein komplett neues Damenmodell zu entwickeln würde sehr teuer werden - die Abwandlung eines bestehenden Schaftes, wie oben gezeigt, recht günstig.
    Nur - Damiano macht so etwas ausschließlich in seinem Geschäft und besteht darauf, dass die Dame verschiedene Schuhmodelle anprobiert bevor er das übliche Procedere wie Fußvermessung usw. angeht
    und alle Fragen wie Lederfarbe(n), Farbe der Nähte, Sohle, Absatzhöhe.... bis hin zur Machart und Ausführung von der Kundin festgelegt werden.
    Per E-Mail würde dieser Vorgang viel zu viel Zeit verschlingen.

    https://www.damianochiappini.com/

    Man sollte immer noch bedenken, dass Maße-Schuhe hier bei uns 1.000 € plus X kosten, und diese nicht von Schuhmachermeistern wie Damiano Chiappini
    mit zusätzlicher Orthopädie-Zulassung sondern von angelernten Kräften arbeitsteilig in niedrigerer Qualität gefertigt werden.

    Weitere Schuhmacher aus Monte und Umgebung
    Franco Cimadamore - http://www.francocimadamore.it/
    Doriano Marcucci - https://www.dorianomarcucci.com/
    Andrea & Fausto Ripani - http://www.faustoripani.com/
    Vittorio Spernanzoni, Morrovalle - https://www.spernanzoni.com/
    Alfio Bruschi - http://www.alfiobruschi.com/it/home
    De Fumo, Luca Alessandrini - https://www.calzoleriadefumo.com/

  • Heute Abend habe ich am Nebentisch Leuten zugeschaut wie sie etwas im Internet gesucht und sich intensiv die Fotos und Beschreibu8ngen angeschaut haben; dabei fiel mir der Gedanke eiin wie sehr die User doch an das Geschriebene im Netz glauben und auch an die gezeigten Fotos.
    Alles, was da Schwarz auf Weiß steht, wird als Tatsachen-Meldung interpretiert oder verstanden,
    vollkommen egal wer was behauptet, und sei es noch so abenteuerlich.
    Das bezieht sich nicht nur auf Texte - wie Schuhbeschreibungten bei denen, obwohl es Fabrikschuhe sind, die mit Hilfe von Maschinen produziert wurden
    von Handarbeit oder ähnlichen Begriffen die Rede ist obwohl sie nur 150 € oder 300 € kosten, die Schuhfabrik wird zur Manufaktur,
    die angelernten Kräfte werden zu Schuhmacher-Meistern, die Schuhe sind genäht statt nur geklebt, dabei aber geklebt-genäht und
    zudem aus bestem Leder mit den allerbesten Eigenschaften.
    Eigentlich müsste sich auch der Unbescholtenste bei Lesen fragen: Wie kann das sein - es gibt ja schließlich auch Schuhe für 5.000 € und mehr?
    Ähnliche Geschichten kann man dann in Foren lesen - vorgetragen mit dem Brustton der Überzeugung.
    Blogger und-seislchaften targen demselben UN-SINN vor - nun gut sie werden ja auch für ihre Werbe-Storys auch bezahlt,
    da muss man sich schon etwas plausibles einfallen lassen.
    Nur - alle Leser glauben diese Geschichten, prägen sie sich ein und schreiben dann dann die Nacherzählungen und unterhalten sich mit ihren Kollegen darüber.
    Ein einziges Mal las ich die Lesermeinung: Crétin!

    Dasselbe bei den Fotos - sie sind gut fotografiert, na ja meistens zumindest, zeigen schöne Schuhe, OK, Geschmäcker sind nun mal verschieden,
    aber nicht einer schaut so genau hin und bemerkt die Fehler an den Schuhen.
    In den (bezahlten) Bloggertexten werden die Ungereimtheiten mit blumigen Worten gekonnt umschifft.

    Zum Schluss sind alle Leser der festen Überzeugung:
    Die Schuhe sind sehr schön, sie sind aus bestem Leder, wurden in reiner Handarbeit in einer edlen Manufaktur auf einem Superleisten
    in bester Schuhmachertradition angefertigtm, und kosten trotz bestem Leder aus der alelrbesten Gerberei nur 249.- €
    weil - der noble Händler hat ja den Schuhgroßhandel ausmanövriert und bieten seine Edel-Schuhe auch nur einem auserrwählten, exklusiven Publikum
    via Bannerwerbung an.

    In den Foren kann man dann all diesen Schwachsinn tausendfach nachlesen und die Oberswchwätzer, die für ihre Artikel bezahlten Blogger,
    die im angeschlossen Onlineshop all den beworbenen Tand verticken, werden als Quelle für die Fachkenntnisse des Users zitiert.

    Deren Phantasie kennt aber keine Grenzen und so dichten sie noch jkede Menge eigenen Tüddelkram hinzu und
    stellen selbst die wundersamten Behauptungen dazu auf, so dass die Balken anfangen sich zu biegen unter der Last der kichernden und lachenden Mäuse.
    Kein eintziger lesender User widerspricht!

    Ein Frohen Advent!

    Das müsste jetzt reichen, auf die retuschierten Fotos und den Komödienstadel im Schuh-TV brauche ich nicht noch lang und breit einzugehen,
    um noch im November die 500.000er Klickzahl zu überspringen.:smile:

    q.e.d.
    Das Internet dient der Unterhaltung und dem Umsatz - würde es Wissen vermitteln oder zum Nachdenken anregen,
    so wäre dies purer Zufall und garantiert nicht beabsichtigt.

  • Man kann also festhalten, dass die ersten "ungenauen" Informationen durch die direkte Werbung wie z.B. Inserate und Banner in die Welt gesetzt werden,
    danach kommen die Blogger mit ihren zumeist bezahlten Beiträgen oder in eigener Sache bei angeschlossenem Onlineshop,
    um ihren eigenen umgelabelten Artikel zu verkaufen, deren Herkunft, geschweige deren Qualität, der Interessent nicht verifizieren kann,
    und danach die zahlreichen Beiträge in Foren wenn z.B. User Sprüche ablassen wie erstklassige Verarbeitung, bestes Leder, Superpassform usw.
    bei beispielsweise Goodyear Welted Schuhen für (weit) unter 200.- €, die in der Regel und genau genommenn gar nicht rahmengenäht sind,
    sondern mit einem Gem-/Klebeband tatsächlich als geklebt-genäht zu bezeichnen sind.

    Das Ganze gibt es auch bei dem aufgrund der Jahreszeit so hippen Cashmerestrick wenn Käufer in Foren und sonstwo behaupten
    sie hätten für 50 € oder 100 € einen Pullover gekauft mit Topverarbeitung aus superfeinem Cashmere, Pilling oder ähnliches wäre nie zu sehen gewesen.
    Auch solche Behauptungen kann niemand prüfen - sie werden oft aus genau diesem Grund in den Raum gestellt und dabei fallen Markennamen,
    teils berechtigt meist weniger.

    Das Problem dabei ist, dass User, die solche Lobhuddeleien oft gleich reihenweise vom Stapel lassen, entweder gar niemals solch einen Artikel besessen haben oder keinen Vergleich zu wirklich hochwertigen Stricksachen haben oder schlicht und einfach nur flunkern oder
    sogar für solche öffentlichen positiven Darstellungen honoriert werden, dann nennt man sie Supporter.
    Solche Leute soll es doch tatsächlich geben - ansonsten gäbe es diesen Begriff wohl kaum und mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei weitem
    nicht so viele nette Komplimente für relativ preisgünstige Produkte der jeweiligen Einstiegsklasse oder sogar noch darunter.

    Der unvoreingenomme Leser aber liest solche Behauptungen, Aussagen, Sprüche, merkt sie sich, bewusst oder unbewusst,
    und handelt eventuell sogar danach - weil er schlicht und einfach das glaubt, was dort geschrieben steht - und gar nicht mal so selten übernimmt er solche Ansichten sogar und verbreitet sie auch noch vollkommen unkritisch weiter, eventuell auch, weil er's wirklich nicht besser weiß.
    Und genau darin liegt das Problem:
    Der Digitale Bildungsorbit, auch Internet genannt, ist voll von solch unqualifizierten Beiträgen und eine differenzierte Betrachtung,
    ob solche Behauptungen von Fachleuten, Laien oder Supportern stammen, findet schlicht und einfach nicht statt.
    Man könnte auch sagen:
    Die Masse der Beiträge macht es aus - sie bestimmt den sogenannten Mainstream, und damit das, was in erster Linie gekauft wird
    und drängt andere Meinungen ab und beiseite.
    Die breite Masse ist zusammen genommen als eine Stimme viel eloquenter als ein Einzelner oder eine kleine Gruppe von Abweichlern.

    Hat schon mal jemand in den letzten Jahren in Foren oder Blogs Fachbeiträge von Strickermeistern, ein eigenständiger Beruf, oder
    von Maß-Schuhmacher-Meistern, denen mit 3 jähriger Fachausbildung alleine zum Schuhmachergesellen, danach mit einigen Jahren Praxis
    bevor sie zur Meisterschule zugelassen werden,
    nur schon einmal gesehen, kann sich dunkel daran erinnern oder gar gelesen?
    Die Zeiten, dass in Deutscher Sprache veritable Maßschuhmachermeister wie Frau Ehlers aus Berlin, besser bekannt als Posh, oder
    Davor Krivak aus Stuttgart Fachbeiträge gepostet haben, sind schon lange vorbei!
    Strickermeister-Beiträge habe ich noch nie gelesen, was aber wirklich mal interessant wäre.

    Nein - der Kommerz behält die Oberhand, denn Kunsthandwerkermeister*innen können es sich nicht erlauben ihre Arbeitszeit herzuschenken.
    Es wirkt auf mich grotesk bis kurios wenn da auf einmal junge Kaufleute auftauchen und die wundersamsten Dinge behaupten
    über das, was sie dort als START-UP, mit viel eingeworbenem Risikokapital, via bunten Bannern als die WELTNEUHEIT
    unter Umgehung des Großhandels, SIC!, den es dazu noch nie gab, CLEVER wie sie nun einmal sind,
    dem exklusiven Kundenkreis, nämlich allen, die daran glauben und sich damit nicht wirklich auskennen, anbieten.
    Manchmal ist es einfach nur noch kurios, dass die umschmeichelten Käufer sich noch nicht einmal die Abbildungen genau anschauen
    oder die Artikelbeschreibungen durchlesen, sondern einfach auf den Bandwagon des jeweiligen Hypetrains aufspringen.

    Je nachdem aus welcher Perspektive man diese Des-Informationen betrachtet, wird man selbst in die Irre geführt und zu Fehlkäufen verleitet oder
    dieser Trend die User einzulullen ist einfach nur noch ärgerlich!

    Am Ende aber ist niemanden damit gedient - die unbedarften Leser kaufen im Endeffekt eine mindere Qualität zu oft zu überhöhten Preisen,
    die ungelernten box-pusher und sonstigen Marketender lachen sich dabei in's Fäustchen und
    die wirklich guten und Spitzenhersteller resp. -Anbieter geraten auf diese Art und Weise unweigerlich in's Hintertreffen und
    verschwinden früher oder später ganz vom Markt.
    Der billige Krempel setzt sich auf diese trickreiche Art durch auf dem Markt und wird von den allermeisten Menschen als Defacto-Standard angesehen.

    Jeder Schlips ist mittlerweile 3-fold + von Hand gemacht, jeder geklebt-genähte Schuh aus einer Schuhfabrik ebenfalls,
    mindestens jedoch in einer sogenannten Manufaktur gefertigt worden und das von angelernten Schuhmachermeistern,
    jeder Pullover für 50 € oder 100 € ist bereits erstklassiger Kaschmirstrick!

    Fragt man die Internetshopper aber mal was Kaschmir / Cashmere überhaupt ist, dann wissen sie noch nicht einmal, dass es Ziegenwolle ist,
    geschweige denn wissen sie auch nur einen Deut mehr als das Kaschmir eben Kaschmir ist.
    Baumwolle, Merino, Alpaca... - nun ja, googeln kann ich auch... spontan gibt es dazu aber keine Auskünfte,
    die Leute wissen im Grunde genommen überhaupt nichts über das, was sie dort kaufen.
    Die Angabe des Namens - rahmengenähter Schuh oder Cashmere oder... - reicht vollkommen aus, klar bunte, bunte Fotos müssen schon noch dazu.

    Warum sollte also jemand 500 € oder 800 € für einen edlen Cashmerepulli ausgeben wenn er eine "erstklassige Qualität" schon für 99.- € bekommen kann?
    Warum 500 € und mehr für tatsächliche handgemachte Schuhe bezahlen wenn er für unter 200 € schon handgefertigte kaufen kann?

    Ob der Kunde, der User, der Leser, der Betrachter... final etwas davon hat wenn er von solchen Nonsense-Speaker, aus welchem Motiv auch immer heraus,
    hinter's Licht und zum Kauf von offenkundig minderwertigem Krempel verleitet wird, stelle ich hier einmal zur Diskussion.

    Ich bin leider der Meinung, dass eine gute Qualität auch gutes Geld kostet, mal mehr und mal günstiger zu haben, je nach Einkaufsmöglichkeit und -zeit,
    im Digitalen Shopping Orbit lautet aber leider häufig bei Shops die Devise - die Shopper sind verwöhnt:

    Mehr Schein als Sein!

    Schon mal daran gedacht, dass es die Waren aus vielen Onlineshops nirgendwo auf einer Modemesse zu sehen ist oder zu bestellen gibt,
    auch kein Fachgeschäft sie führt?
    Dass bestimmte Brands reine Internet-Brands sind, umgelabelte Ware von irgendwelchen Herstellern und sich damit jedweder Qualitätsprüfung entziehen?
    Beworben und betextet von ungelernten box-pushern ohne Fachausbildung, ohne Fachkenntnisse, die auch noch nie und nirgendwo
    unter Beweis gestellt haben, dass sie sich mit dem, was sie da im Angebot haben, auch wirklich auskennen.

    Wenn aus einem ganz normalen Schlips dann eine echte 3-fold Krawatte wird, für die dann 99.- € verlangt werden - per Vorkasse natürlich mit 6 oder 8 Wochen Auslieferungszeit und mit durchgestochener Handrolliernaht auf der Vorderseite, damit auch jeder auf den ersten Blick sehen kann welch wunderbarer Schrott es doch ist!?
    In keinem Geschäft käme auch nur ein einziger derart fehlerhafter Schlips in die Auslage, schon gar nicht in einem Krawattengeschäft,
    aber im internet sind solch teuren, missratenen Dinger en vogue und heiß begehrt!

    Oder Schuhe für mehrere hundert Euro - schaut jemand noch genau hin wenn ein bekanntes Label angezeigt wird nebst in blumiger Sprache
    abgefassten Werbetetxten - werden ja schließlich und überhaupt und exklusiv nur echten Schuhkennern angeboten!

    Viele User haben sich jahrelang geweigert zu akzeptieren, dass Schuhe vom Schuhmacher weit besser gemacht sind, in jeder Hinsicht,
    als die im Netz gehypten Shoe Brands mit englischen Namen in Goodyear geklebt mit einem Gemband oder die teilweise in Handarbeit
    von angelernten Schustern aus dem Osten.

    Dasselbe gilt für Stricksachen, sei es Alpaca, Guanaco oder hochwertiges Cashmere oder gar sehr feines Baby-Cashmere,
    irgendwann werden sie wach, die User.
    Der Impuls trifft jeden irgendwann einmal.

    Das Prinzip picturesque & colorful + pure Werbetexte, die jedwedem tatsächlichem Nachweis entbehren, kann nur eine Zeit lang funktionieren.

  • Es ist echt nicht normal was es über Schuhpflege so alles an Gerüchten gibt....
    Wer Burgol produziert, wer Siegol... und was jetzt wo drin ist.

    Ich hatte heute Abend das Pech, dass ich neugierig war und mir Schuhpflegefernsehen plus Chat angeschaut habe,
    natürlich nicht die komplette Sendung, auch nicht alle Chatbeiträge, denn das habe ich wirklich nicht verkraftet.
    Ton abdrehen und nur einzelne Sequenzen anschauen war das absolute Maximum, was ich überhaupt aushalten konnte.
    Codovan-Leder, Wasser-Wachs-Emulsion bei der Wasserglanzpolitur, Ratschläge zum Zeitfenster für den Schuhkauf...
    Die Sprüche waren auf jeden Fall :Good!:

  • Leider nein, es war die Livesendung mit dem Dreibeineisbärpullover und durch recht viel Rotwein mit entsprechendem Seegang.
    Verpasst habe ich viel, da die von den 2 Moderatoren aufgesagten Texte eher an eine Dauerwerbesendung unter Alkoholeinfluss erinnerten....
    Aber die Fans waren hochzufrieden und zollten eifrig Beifall im Chat.

    Jeder auf seinem Niveau!

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